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Beim anderen bleiben: Wie wir in Konflikten präsent bleiben, statt sofort zu reagieren

  • Autorenbild: Alessandra Weber
    Alessandra Weber
  • 6. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit


In Partnerschaften reagieren wir oft automatisch auf Konflikte oder schwierige Situationen: Vorwürfe, Rechtfertigungen oder Rückzug entstehen reflexartig. Doch diese spontanen Reaktionen verhindern oft echtes Verstehen und Nähe. „Beim anderen bleiben“ bedeutet, die eigene emotionale Reaktion bewusst zu beobachten, statt sofort zu handeln, und die Perspektive des Partners einzunehmen. Es ist eine zentrale Fähigkeit für emotionale Sicherheit und Bindung.


1. Warum wir sofort reagieren

Unsere Reaktionsmuster sind evolutionär geprägt: Gefahr oder Kritik lösen automatische Stressreaktionen aus. In Beziehungen äußert sich das als:

  • Kritik oder Vorwürfe (Protest),

  • Rückzug oder Schweigen,

  • impulsive Abwehr, Verteidigung und Rechtfertigung.

Diese Reaktionen sind verständlich, führen aber häufig zu Eskalation und Distanz.


2. Beim Partner bleiben: Was das bedeutet

„Beim anderen bleiben“ heißt:

  • Die eigenen Gefühle wahrnehmen, ohne sie sofort zu verteidigen.

  • Aktiv zuhören und die Erfahrung des Partners validieren.

  • Den Impuls zu sofortigem Reagieren oder Gegenangriff zu erkennen und auszuhalten.

Es geht nicht darum, Konflikte zu vermeiden, sondern die Verbindung aufrechtzuerhalten, während beide Partner*innen ihre Emotionen erleben.


3. Praktische Strategien

a) Kurze Pausen einlegen

  • Wenn ein Konflikt emotional hochkocht, hilft ein bewusster Atemzug oder ein kurzer Moment der Reflexion, bevor man antwortet.

  • Signal an den Partner: „Ich höre dich, ich brauche nur kurz, um klar zu bleiben.“

b) Innere Reflexion

  • Frag dich: Was löst diese Situation in mir aus? I

  • Diese Klarheit verhindert impulsives Handeln und hält dich präsent.

c) Aktives Zuhören üben

  • Wiederhole oder paraphrasiere, was dein Partner sagt: „Ich höre, dass du dich über … ärgerst.“

  • So fühlt sich dein Gegenüber gesehen, und die emotionale Intensität kann sich regulieren.

d) Gefühle benennen, statt sofort zu handeln

  • Statt zu kritisieren oder zu rechtfertigen, kann man eigene Emotionen ausdrücken:

    • „Ich merke, dass ich mich gerade unsicher fühle.“

    • „Mir fällt es schwer, das zu hören, ich möchte es verstehen.“

e) Körperliche Präsenz nutzen

  • EBlickkontakt, offene Haltung, ruhiger Atem – das signalisiert emotionale Verfügbarkeit.


4. Vorteile für die Beziehung

Paare, die bewusst beim Partner bleiben, entwickeln:

  • Mehr emotionale Sicherheit,

  • Reduzierte Eskalation in Konflikten,

  • Tieferes Verständnis für Bedürfnisse und Ängste,

  • Stärkere Bindung und Vertrauen.


„Beim anderen bleiben“ erfordert Übung und bewusste Selbstbeobachtung. Es bedeutet, sich selbst zu regulieren und gleichzeitig für den Partner präsent zu bleiben. Wer diese Fähigkeit entwickelt, kann Konflikte als Gelegenheit für Nähe und Verständnis nutzen, statt dass sie Distanz erzeugen. Es ist ein Schlüssel, um Beziehungen stabil, sicher und lebendig zu gestalten.

 
 
 

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