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Negative Beziehungsmuster

  • Autorenbild: Alessandra Weber
    Alessandra Weber
  • vor 7 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Viele Paare kommen mit dem Gefühl in die Praxis, sich immer wieder an denselben Punkten zu verlieren. Die Gespräche eskalieren schnell oder brechen ab, Nähe wird schwierig, Missverständnisse häufen sich. Was sich dann zeigt, ist oft kein grundsätzlicher Mangel an Liebe oder Passung, sondern ein Kreislauf aus Reaktionen, in den beide immer wieder hineingezogen werden – ein negativer Zyklus.

Ein negativer Zyklus entsteht nicht, weil Menschen böse, lieblos oder unfähig sind, sondern weil sie sich schützen, wenn etwas emotional Wichtiges bedroht ist – und weil diese Schutzreaktion wiederum den Partner triggert.


Was ist ein negativer Zyklus?

Ein negativer Zyklus beschreibt ein sich wiederholendes Interaktionsmuster, in dem sich beide Partner gegenseitig aus dem Schutz heraus verletzen, ohne es zu wollen.

Typischerweise läuft es so ab:

  1. Eine Situation fühlt sich für einen Partner emotional unsicher an.

  2. Das Nervensystem reagiert mit Alarm.

  3. Es entstehen starke Gefühle und automatische Schutzreaktionen.

  4. Diese Reaktion wird für den anderen Partner zum Trigger.

  5. Der Zyklus verstärkt sich.

Je länger ein solcher Zyklus besteht, desto schneller läuft er ab – oft so schnell, dass die Beteiligten kaum noch wahrnehmen, was innerlich eigentlich passiert.


Trigger – wenn das Nervensystem Alarm schlägt

Ein Trigger ist ein Auslöser von starken Gefühlen und automatischen Handlungsimpulsen.Wir werden getriggert, wenn unser Nervensystem Alarm schlägt, weil sich etwas emotional unsicher oder bedrohlich anfühlt.

Emotionale Unsicherheit entsteht dann, wenn sich grundlegende Bedürfnisse plötzlich gefährdet anfühlen – zum Beispiel das Bedürfnis nach Bindung („Bin ich dir wichtig? Bin ich hier verbunden?" oder das Bedürfnis nach Selbstschutz und Autonomie („Habe ich hier noch Raum? Darf ich ich selbst sein?“

Das Nervensystem reagiert auf diese gefühlte Bedrohung blitzschnell – lange bevor wir bewusst nachdenken können.


Das primäre Gefühl – der verletzliche Kern

Das primäre Gefühl ist das erste, verletzliche Gefühl, das in einem Moment emotionaler Unsicherheit auftaucht. Es entsteht direkt durch den Trigger, noch bevor wir denken oder handeln.

Primäre Gefühle sind meist leise und kurz spürbar. Typische Beispiele sind:

  • Traurigkeit

  • Angst

  • Ohnmacht

  • Scham

Diese Gefühle zeigen an: „Etwas Wichtiges in der Beziehung fühlt sich gerade nicht sicher an.“

Gerade weil diese Gefühle so verletzlich sind, bleiben sie oft kaum bewusst wahrnehmbar – insbesondere in Beziehungen, in denen negative Zyklen schon lange bestehen.


Das sekundäre Gefühl – die emotionale Rüstung

Auf das primäre Gefühl folgt meist sehr schnell ein sekundäres, schützendes Gefühl.Dieses Gefühl ist die emotionale Rüstung, die das Nervensystem anlegt, wenn ein verletzlicher Punkt berührt wurde.

Sekundäre Gefühle sind erlernte Reaktionen, die uns helfen sollen, das primäre Gefühl zu vermeiden oder zu kontrollieren. Sie wollen uns stabilisieren und wieder handlungsfähig machen.

Typische schützende Gefühle sind:

  • Ärger

  • Wut

  • Frustration

Diese Gefühle fühlen sich oft stärker, klarer und aktiver an als die primären Gefühle. Deshalb dominieren sie meist das Erleben – für uns selbst und für unseren Partner.


Die Schutzreaktion – das sichtbare Verhalten

Aus dem schützenden Gefühl entsteht die Schutzreaktion.Sie ist das sichtbare Verhalten, mit dem wir versuchen, innere Spannung zu regulieren und Sicherheit herzustellen.

Das können zum Beispiel sein:

  • Vorwürfe oder Kritik

  • Rückzug, Schweigen, Abwenden

  • Rechtfertigen oder Erklären

  • Kontrolle oder Anpassung

Die Schutzreaktion ist das, was der Partner wahrnimmt – nicht das primäre Gefühl darunter.


Warum sich negative Zyklen so festfahren

Negative Zyklen sind deshalb so hartnäckig, weil sie sich selbst verstärken:

  1. Schutzreaktionen sind angstgetrieben.

  2. Gleichzeitig sind sie für den Partner schmerzhaft und bedrohlich.

  3. Beide reagieren aus dem Schutz heraus – und verlieren dabei den Zugang zum verletzlichen Kern.

Mit der Zeit werden die primären Gefühle immer weniger spürbar, während Ärger, Distanz oder Rückzug dominieren. Dennoch sind die primären Gefühle nicht verschwunden – sie sind lediglich gut geschützt.


Der entscheidende Perspektivwechsel

Entlastend wirkt vor allem eines: Zu verstehen, dass negative Zyklen nicht aus fehlender Liebe entstehen, sondern aus dem Versuch, Beziehung und Selbst zu schützen.

Wenn Paare beginnen, Trigger zu erkennen, primäre und sekundäre Gefühle zu unterscheiden,

und Schutzreaktionen als automatische Prozesse zu verstehen, dann verliert der Zyklus an Bedrohlichkeit. Nicht, weil Konflikte sofort verschwinden – sondern weil wieder Verständnis, Mitgefühl und emotionale Sicherheit möglich werden. Und genau dort beginnt Veränderung.

 
 
 

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